Grundlagen des Feng Shui: Qi

Veröffentlicht am Samstag, 1. November 2014 von
Qi - Nebel über dem Reisfeld © Barnaby Chambers / Shutterstock.com

Im Feng Shui befassen wir uns mit der Analyse und Bewertung des Qi (alte Umschrift Ch’i) in einem Raum oder der Umgebung. Doch was ist dieses Qi und warum ist es so wichtig? In „Feng Shui: Die Struktur der Welt“ bezeichnet der Sinologe Dr. Manfred Kubny Qi als das zentrale Lebenskraftkonzept in der chinesischen Philosophie. Dieses Bild der Lebenskraft spiegelt sich bereits im chinesischen Schriftzeichen für Qi wider.

 

Qi als Schriftzeichen

Komponenten des Schriftzeichens Qi

Das traditionelle chinesische Schriftzeichen für Qi besteht aus den einzelnen Zeichen für „Atem, Nebel“ und „Reispflanze“. Das Schriftzeichen „Qi“ kann deshalb als „Nebel über dem Reisfeld“ interpretiert werden. In der Zeit, als die ersten Prinzipien des Feng Shui entdeckt wurden, stellten die Menschen fest, dass sich der morgendliche Bodennebel an manchen Stellen auffällig lange hielt. Diese Stellen waren durch die Form ihrer Umgebung windgeschützt und eigneten sich besonders als Anbau- und Siedlungsfläche. Gleichzeitig ist und war der Reis für viele Menschen Grundlage des Lebens, weshalb Kubny darauf hinweist, dass Qi auch im Sinne einer „nährenden Kraft“ interpretiert werden kann. In der bildhaften Darstellung des Qi im Schriftzeichen wird also deutlich, dass es sowohl materielle (Reis) als auch immaterielle (Nebel) Qualitäten besitzt.

 

Die drei Wirkungsebenen

Im Feng Shui untersuchen wir diese unterschiedlichen Qualitäten des Qi und kategorisieren sie darüber hinaus anhand der Interaktion der sogenannten drei Wirkungsebenen (San Cai): Himmel, Mensch und Erde.

Der Ebene des Himmels werden alle Phänomene zugeordnet, die wir nicht direkt beeinflussen können, so wie der Sonnenumlauf, das Klima und die Jahreszeiten. Auch die abstrakten Kompass-Berechnungsmethoden aus dem Feng Shui gehören zu dieser Ebene.

Die Ebene der Erde umfasst physische Formen und Strukturen wie die Landschaft, Berge, Flüsse und Seen, sowie die Architektur unserer Städte. Aber auch Phänomene wie das Erdmagnetfeld zählen wir zur Erdebene.

Der Mensch steht in der Mitte dieses Modells, er verbindet Himmel und Erde, bzw. ist das Ergebnis der Vermischung von Himmel und Erde. Im Feng Shui gilt: Erst durch sein Zutun können sich die Potenziale aus der Himmelsebene in der Erdebene manifestieren. Einfacher gesagt: Erst der Mensch sorgt durch sein Dasein und seine Raumnutzung dafür, dass die Qi-Muster interpretierbar werden. Dementsprechend zählen wir neben der individuellen Raumnutzung des Menschen auch seine Hoffnungen, Wünsche, die Persönlichkeit und die Lebenssituation zur Menschenebene im Sinne der drei Wirkungssebenen. Qi kann also als die Schnittstelle betrachtet werden, die diese Ebenen miteinander verbindet und sie in eine Wechselwirkung treten lässt.

Himmel, Mensch, Erde
 

Qi als Schnittstelle

Im Qi liegt das Potenzial allen Lebens, aller Bewegung und Veränderung. Es gibt nur ein Qi, welches sich aber in unzähligen Qualitäten und Zuständen ausdrückt. Aus den unterschiedlichen Qualitäten und Zuständen des Qi entstehen Yin und Yang, die fünf Wandlungsphasen, Klima, Zeitzyklen und die „zehntausend Dinge“. Die „zehntausend Dinge“, chinesisch Wanwu, beinhalten praktisch alle materiellen Lebensformen und Dinge wie Mineralien, Pflanzen, Tiere und schließlich den Menschen. Nach dieser Theorie steht also „alles“ mit Qi in Verbindung. Qi ist jedoch nicht nur ein philosophisches Konzept, sondern auch etwas unmittelbar Erfahrbares.

 

Qi im Körper des Menschen

Qi, in direktem Zusammenhang mit dem Menschen, kennen Sie sicherlich aus gesundheitsfördernden Techniken wie Qigong, Taiji Quan (alte Umschrift T‘aichi Ch’üan) oder dem japanischen Reiki (Ki ist Japanisch für Qi). Aber wussten Sie, dass Emotionen als Bewegungen des Qi verstanden werden können? Auch die traditionelle chinesische Medizin, TCM, basiert auf dem Prinzip des Qi. Das Qi im Körper des Menschen kann im wörtlichen Sinne als Lebenskraft verstanden werden, die Körper und Geist miteinander verbindet.

Bei all diesen Techniken geht es im Grunde darum, den Fluss des Qi im Körper zu lenken oder zu regulieren, entweder durch äußere Stimulierung wie in der Akupunktur oder durch eine innere Anregung des Qi durch Meditation. Ist der Fluss gestört oder blockiert, können sowohl physische als auch psychische Beschwerden entstehen.

 

Die Berechnung und Nutzung des Qi im Feng Shui

Feng Shui wird oft als Akupunktur des Raums bezeichnet. Es bedient sich verschiedener Systeme, um die Qualitäten des Qi innerhalb eines definierten Raums zu beschreiben. Anhand von Analyse- und Berechnungstechniken lassen sich diese Qi-Muster bestimmen und gestalten. Dadurch, dass nur ein Qi existiert, das aber unzählige Ausdrucksformen annimmt, haben wir in der Feng Shui Beratung mehrere Möglichkeiten, eine Resonanz mit der Ausdrucksform des Qi herzustellen, die jeweils am günstigsten ist. Ob durch Farbwahl, Einrichtungsstil bis hin zu Umbaumaßnahmen: Die Möglichkeiten des Feng Shui sind sehr vielseitig und bieten für jeden Geschmack individuelle Lösungswege.

Das Thema Qi ist ein sehr komplexes Konzept innerhalb der chinesischen Philosophie. Es hat unzählige Ausdrucks- und Erscheinungsformen, je nach Blickwinkel begegnet es uns in einer besonderen Gestalt. Die Aufgabe des Feng Shui Beraters ist es, alle relevanten Formen des Qi eines Projekts zu erfassen und in günstige Bahnen zu lenken.

 

Quellen:

Elias, Jason & Ketcham, Katherine (2010): Selbstheilung mit den Fünf Elementen. München: O.W. Barth Verlag

Kubny, Manfred (2008): Feng Shui: Die Struktur der Welt. Klein Jasedow: DrachenVerlag GmbH

Mak, Michael Y. & So, Albert T. (2011): Scientific Feng Shui for the Built Environment: Fundamentals and Case Studies. Hong Kong: University of Hong Kong Press

 

Dieser Artikel wurde verfasst von Felix Niakamal

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>