Feng Shui Irrtümer: Feng Shui ist kein Aberglaube

Veröffentlicht am Sonntag, 26. April 2015 von
Feng Shui, die Zahl Acht und der Aberglaube © Liza/ pixabay.com

Kennen Sie schon den „Feng Shui-Ratschlag“, Sie sollten eine Figur der dreibeinigen Kröte mit Goldmünzen im Maul in Ihre Reichtumsecke setzen um Wohlstand zu erreichen? Oder, dass Ihnen das Symbol der einfachen oder sogar „doppelten Acht“ besonders viel Feng Shui Glück bringen kann? Ich bin mir fast sicher, wenn Sie jemals ein deutsches Buch über Feng Shui aufgeschlagen haben, sind Ihnen diese „Hilfsmittel“ nicht fremd. Schade nur, dass die Kröte nicht gerade schön anzusehen ist und die Doppelacht bei den meisten Menschen doch eher ein teilnahmsloses Schulterzucken auslöst, anstatt Assoziationen mit Glück zu erwecken. Aber es muss doch etwas dran sein, wenn es schon im Feng Shui Buch steht? Nun, wenn ich als Feng Shui Berater Ihnen raten würde, stets einen Glückspfennig im Geldbeutel zu tragen und ein Hufeisen an Ihrer Wand anzubringen, würden Sie mich da nicht auslachen? Zurecht, würde ich sagen.

Die doppelte Acht, die dreibeinige Kröte und all ihre Freunde sind primär Glücksbringer oder Symbole für Wohlstand, die fest mit der chinesischen Kultur und Folklore verbunden sind. Es ist geradezu absurd, einen Glücksbringer aus einem anderen Kulturkreis als Feng Shui Hilfsmittel zu verkaufen. Doch weil diesen Gegenständen noch eine gewisse Mystik und Fremdheit anhaftet, neigen wir vielleicht eher dazu, an ihre Wirkung zu glauben. Mit klassischem Feng Shui hat das jedoch nichts zu tun.

Besonders die Zahl Acht besitzt im chinesischen (und von China beeinflussten) Kulturkreis eine stark glücksbringende Symbolkraft, denn ihre chinesische Aussprache erinnert an das Wort für Reichtum. Während wir die Acht als Symbol für die Unendlichkeit anerkennen, gibt es für uns aber keine weiteren Assoziationen mit Reichtum oder Glück. In chinesischsprachigen Ländern gilt die Zahl Vier zudem meist als schlimme Unglückszahl, denn ihre Aussprache ist identisch mit dem Wort für Tod. Aus diesem Grund gibt es in Gebäuden oftmals kein viertes Stockwerk, nach dem dritten Stock folgt direkt der fünfte Stock. Sind das nun universelle Regeln oder doch kulturelle Eigenheiten?

Sobald es um Asien geht, neigen wir „Westler“ dazu, alles durch die rosarote Brille zu sehen, doch bei näherer Betrachtung können wir differenzieren: Es gibt Prinzipien und Regeln, die auch für unser Leben in Europa von Bedeutung sind, und es gibt kulturelle Besonderheiten, die zwar in ihren Ursprungsländern gültig sind, aber in unserem Kulturkreis nicht funktionieren. Von der kulturell-folkloristischen Seite aus betrachtet bringt ein Schornsteinfeger einem Chinesen genauso wenig Glück wie eine doppelte Acht einem Deutschen, es sei denn, man glaubt blind der Autorität eines Buches oder Menschen, die diese Konzepte als glücksbringend bestimmt. Wer unreflektiert Symbole aus der einen Kultur in die andere verpflanzen will, sorgt für Verwirrung und fördert, im Fall von Feng Shui, ein verzerrtes Bild dieser Technik der Raumanalyse als Aberglaube. Neben der kulturellen Ebene gibt es noch eine weitere Ebene, in der Glauben eine große Rolle spielt. Es ist die psychologische Ebene, auf der sich eine der weit verbreitetsten Techniken des New Age-Feng Shui bewegt.

 

New-Age-Feng Shui und der psychologische Aspekt

Viele Bücher versprechen eine schnelle Abhilfe für jegliche Probleme – ob in der Partnerschaft, Familie oder Karriere – durch das Platzieren verschiedener Figuren oder Symbole in der Wohnung. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Delfinfiguren, die Liebe und Partnerschaft fördern sollen. Doch wie funktioniert das? Meine persönliche Meinung: Es funktioniert höchstens, solange Sie daran glauben. Die Hilfsmittel der Figuren und Symbole entstammen dem ab den 1980ern im Amerika verbreiteten „drei Türen Bagua“, das einfache und schnelle Wege zur Analyse und Lösung sämtlicher Probleme verspricht. Schablonenartig wird der Grundriss untersucht und symbolische Hilfsmittel zum Ausgleich im Raum platziert, die eine Art psychologischen Anker darstellen. Die Partnerschaftsdelfine erinnern Sie womöglich daran, mehr Energie in die Beziehung zu stecken, sich neue romantische Ideen einfallen zu lassen oder sich zu vergegenwärtigen, was Sie an Ihrem Partner haben. Auf dieser Ebene hat das „Drei-Türen-Bagua“ seine Daseinsberechtigung, denn die aufgezählten Punkte können durchaus zum Aufblühen der Partnerschaft beitragen. Für klassisches Feng Shui jedoch reicht eine Analyse und Lösung allein auf dieser Ebene nicht aus. Es ist die Ebene des Menschen im Modell der drei Wirkungsebenen (Sancai) – Himmel, Mensch und Erde.

 

Der ganzheitliche Ansatz des klassischen Feng Shui

In der Feng Shui Beratung steht der Mensch stets im Mittelpunkt, denn Feng Shui untersucht die Interaktion des Menschen mit seinem Umfeld, die Interaktionen von Mensch, Zeit und Raum. Doch Lösungen, die sich nur auf die Ebene des Menschen fokussieren, wirken weitgehend psychologisch. Solange Sie an die Symbole glauben, können Sie womöglich einen positiven Effekt spüren, diese Ebene allein gibt jedoch keine abschließenden Antworten auf die Fragen nach Qi-Qualitäten, der optimalen Raumnutzung oder unterstützenden Farben im Raum. Erst die Formschule (Ebene der Erde) und die Kompassschule oder Struktur-Qi-Schule (Ebene des Himmels) stellen objektive Analysemethoden für Ihre Räume und Umgebung dar, die in Abgleich mit Ihren persönlichen Bedürfnissen und Ihrer Lebenssituation (Ebene des Menschen) genaue und wirksame Ratschläge für die Raumgestaltung und Raumnutzung ermöglichen.

Da sich diese Ratschläge auf die Daten aller drei Ebenen beziehen, spielt der Glaube keine Rolle. Sie müssen nicht blind an die Empfehlungen der Formschule glauben, probieren Sie es aus und machen Sie Ihre eigenen Erfahrungen! Arbeitet es sich besser mit dem Rücken zur Tür oder mit dem Blick zur Tür? Fühlen Sie sich sicherer, wenn Sie vom Bett aus die Tür im Blick haben können oder sind Sie eher ein „Höhlenschläfer“? Auch die Empfehlungen der Kompassschule, die auf abstrakten Berechnungen beruhen, sind unmittelbar erfahrbar. Sie werden fühlen, ob die neue Farbe im Wohnzimmer Ihr Wohlbefinden entscheidend beeinflusst oder nicht. Im Geschäftsbereich können Sie sogar messen, um wieviel Prozent sich etwa Krankenstände nach der Feng Shui Beratung verringert haben oder wie sehr Ihr Kundenverkehr zugenommen hat. Deshalb ist Feng Shui für mich keine Sache des Glaubens.

 
 

Dieser Artikel wurde verfasst von Felix Niakamal

2 Kommentare

  • Marie-Christine Höferlin says:

    Feng Shui ist durchaus kein Aberglaube, sondern sehr real. Wenn Sie z.b. in einer der Himmelsrichtungen renovieren, die von den drei Toden betroffen sind, so werden Sie das dann schon auf finanzieller Ebene merken. Auch gesundheitliche Probleme können daraus resultieren. Wäre das alles Aberglaube, so wie Sie in Ihrem Artikel lamentieren, so würden keine Häuser nach Feng-Shui Richtlinien gebaut. Nur weil man eine Wissenschaft nicht versteht oder sie nicht gutheißt, so ist das noch lange kein Grund diese als Aberglaube zu bezeichnen.

    • Sehr geehrte Frau Höferlin,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Vielleicht liegt hier ein Missverständis vor: Natürlich ist Feng Shui kein Aberglaube, darum geht es schließlich in diesem Artikel. Nicht zuletzt beende ich den Artikel mit den Worten „Deshalb ist Feng Shui für mich keine Sache des Glaubens.“
      Die von Ihnen angesprochene Analysebene betrifft die Kompassschule des klassischen Feng Shui. Genau dafür spreche ich mich auch aus. Im ungünstigsten Fall können bestimmte Konstellationen und Handlungen die von Ihnen erwähnten Folgen nach sich ziehen.
      Allein das New-Age-Feng Shui mit den erwähnten „Hilfsmitteln“ bewegt sich auf Gebieten, die als Aberglaube angesehen werden können. Im Vergleich mit den Methoden des klassischen Feng Shui wird deutlich, dass hier keine umfassende, ganzheitliche Analyse erfolgt und die Wirksamkeit der „Hilfsmittel“ vom Glauben an diese abhängt.
      Als Feng Shui-Berater spreche ich mich selbstverständlich für die ganzheitliche Betrachtungsweise des klassischen Feng Shui aus und empfehle, schon bei der Wahl des Grundstücks vor dem Hausbau Feng Shui-Aspekte zu berücksichtigen.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Felix Niakamal

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